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Weißwein: Lied an die Sonne.

Weingut Trapiche - hier spielt die Musik. Fotos: Mendoza.travel, Vinosaurio
Weingut Trapiche – hier spielt die Musik. Fotos: Mendoza.travel, Vinosaurio

Die argentinische Rebsorte Torrontés Riojano wird beim Trinken sehr oft für Muskateller gehalten – so aromenstark, würzig und arm an Säure schmeckt er manchmal.

Diesem hier, den wir heute trinken, kann das nicht passieren. So ungewöhlich erfrischend und zitrig kommt der daher. Aber dazu mehr weiter unten.

Preiswerter Sommerwein.

Erstmal zum Preis. Es kommt ja nicht sehr oft vor, dass wir hier Weine empfehlen, die sooo günstig sind. Aber wenn´s schmeckt – dann schmeckt´s. Und weil gerade der Sommer beginnt und das Bedürfnis nach Terrassenweinen steigt, bei denen man sich locker machen kann… und so weiter.

mendoza

Also: dieser Wein kommt aus Argentinien und wurde zu 100% aus der Rebsorte Torrontés Riojano hergestellt. Wohlgemerkt: nicht Torrontés. Das ist eine gleichnamige Sorte aus Spnien, die genetisch NICHTS mit dem argentinischen Torrontés Riojano zu tun hat. Trotzdem steht auf dem Flaschenetikett von diesem Tropfen hier nur Torrontés. Typisch Weinwelt. Manchmal verwirrend und unlogisch. Aber so ist es nun mal.

Ein bisschen Rebsortenkunde.

Der Torrontés Riojano ist dafür genetisch mit mehreren Muskatellersorten verwandt. Siehe oben. 2003 fanden ein paar Wissenschaftler heraus, dass der Torrontés Riojano eine natürliche Kreuzung (Bienen und so) der Rebsorten Criolla Chica mit dem Muscat d’Alexandrie ist. So weit – so gähn.

Wir sind ja kein Wissenschaftsmagazin, hier geht es um´s Trinken und das machen wir jetzt endlich.

trapiche

Dieser Wein wurde uns vom argentinischen Mega-Weingut Trapiche auf´s Schiff geschickt. Die Trauben stammen aus der Provinz Mendoza, wo fast jeder argentinische Wein herkommt. Das trockene Steppenklima und allgemein sehr kalkhältige Böden schaffen perfekte Bedingungen. Wieso ist Kalk gut? Weil der Boden die basischen Stoffe Kalzium und Magnesium enthält, was für die Ausbildung feiner Säurearomen sehr günstig ist. Aber wir gleiten schon wieder in die Wissenschaft ab. Schluss jetzt!

Mirabelle, Kamillentee mit Zitronensaft.

In der Nase Zitrus, gelbes Steinobst, sehr verhalten, kaum etwas zu bemerken. Das ist jetzt erstmal alles andere als spannend. Tja.

Im Mund geht dann dafür ein helles Licht an! Wir spüren ganz deutlich Mirabelle und kalter, milder Kamillentee mit Limettensaft. Lustig: dieser Wein schmeckt, wie seine strahlend gelbe Farbe aussieht – einfach erfrischend. Die dezente Säure trägt das ihre bei, der Wein hat nicht die geringste Süßlichkeit und bleibt sehr, sehr trocken.

Das ist ein unkomplizierter Terrassenwein für den frühen Abend. Merkwürdigereise finden wir hier nicht die geringsten Anklänge des würzigen, aromenschweren Muskateller. Ist aber auch egal. Wir tranken den Jahrgang 2012.

Falls man was dazu essen möchte: eine Pilzpfanne mit Reis passt gut. Oder eine würzige Paella.