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Erobert Cabernet Sauvignon

Hier wird nicht nur unser Wein gelobt. Geschichtliche Hintergründe werden hier auch sehr schön beschrieben.
Es freut uns das der Wein Ulmen Cabernet Sauvignon von den Bodegas y Viñedos de Aguirre soviel positiven Lober halten hat und soviel Geschichte das Weingut.

Quelle: Text / Foto von www.cataincork.de vom 28.03.2015

Klaus Kinski als Lope de Aguirre. Foto: Kinowelt
Klaus Kinski als Lope de Aguirre. Foto: Kinowelt

Wer hat den Film „Aguirre, der Zorn Gottes“ mit Klaus Kinski gesehen?

Der Streifen des deutschen Regisseurs geriet trotz widrigster Umständel zu einem außergewöhnlichen Werk. Die Mitwirkenden standen während der Dreharbeiten unter Einfluss von Cocablättern, die sie kauten, um die Strapazen im Dschungel zu ertragen. Das Drehbuch schrieb Herzog während der Busfahrt mit einer Fußballmannschaft und die Kamera hatte er aus dem Münchner Filmmuseum gestohlen.

Kinski spielt in diesem Film den brutalen spanischen Eroberer Lope de Aguirre auf der Suche nach dem Goldland Eldorado. Aguirre rebellierte gegen den spanischen König Philipp II und rief sich zum Herrscher von Peru, Tierra Firme (Isthmus von Panama) und Chile aus.

Und was hat das mit Wein zu tun?

Schnitt. Was hat das alles mit Wein zu tun? Habt Geduld, Matrosen. Die Auflösung kommt gleich.

Ein anderer Conquistador, der im Namen der spanischen Krone mit eiserner Hand Angst und Schrecken verbreitete, war Francisco de Aguirre, der vermutlich NICHT mit Kinskis Lope de Aguirre verwandt aber zur selben Zeit in derselben Gegend in blutiger Mission unterwegs war und sich an der Eroberung Chiles beteiligte.

Die späten Nachkommen dieses Francisco de Aguirre gehen heute einem weitaus sanfteren Handwerk nach: sie produzieren Wein. Und erobern mit ihren Flaschen die Herzen von Weinfreunden auf der ganzen Welt.

Mediterranes Klima.

Hat sich der Ausflug in die Geschichte gelohnt? Naja, ein wenig Bildung kann nicht schaden. Das Weingut Bodegas y Viñedos de Aguirre liegt mitten in Chile, knapp 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago im malerischen Valle de Maule. Hier ist das Zentrum der chilenischen Weinwirtschaft.

Und hier herrscht die Familie de Aguirre über stolze 300 Hektar Rebland, das hauptsächlich aus vulkanischen Böden mit einem Mix aus Sand und Lehm besteht. Das Klima kann man als mediterran bezeichnen. Im Winter fällt reichlich Regen, die Sommer sind trocken und heiß. Die einigermaßen hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht begünstigen das Wachstum kräftiger Rebpflanzen, die aromatische Trauben liefern.

Der Wein heißt „reicher Mann“.

Die de Aguirres haben eine Vielzahl von Weinen kreiert. Wir halten uns vorerst an ein Basisprodukt, weil es ziemlich gut die weit verbreitete Rebsorte Cabernet Sauvignon erklärt – den Wein „Ulmen“, der zu 100% aus Cabernet Sauvignon gekeltert wurde und sehr wenig kostet.

Ulmen heißt in der Sprache der Mapuche-Indianer, die in Chile und Argentinien leben, „reicher Mann“. Was das mit dem Wein zu tun haben soll, verstehen wir allerdings nicht.

Wie schmeckt also der günstige „reiche Mann“?  Na dann lasst ihn uns in die großen Rotweingläser einschenken, die schon bereitstehen.

Endlich trinken.

Wir nehmen Witterung auf und finden in der Nase schwarze Johannisbeere, Holunder, ganz dezent grüne Paprika, Teer und Leder und fleischige Wacholderbeere.

Im Mund dunkle Beerenfrüchte, vor allem Cassis. Das ist purer Fruchtgenuss! Dagegen steht selbstbewusst ein Zaun Tannine, der dem Ulmen ein für diesen Preis erstaunlich stabiles Gerüst verpasst. Dann – viel deutlicher als in der Nase – wieder grüne Paprika, etwas Leder und Bitterschokolade. Alles ordentlich gepimpt von einer angenehmen Säure, die Spannung aufbaut. Wie die Sehne eines Indianerbogens.

Da ist geschmacklich eine gewisse Strenge. Dieser Wein will was und erinnert ungewollt an den leidenschaftlichen Ehrgeiz der spanischen Eroberer. Holzausbau ist keiner zu schmecken. Der Abgang nicht der Rede wert. Man kann ja nicht alles haben.

Kleine Cabernet Sauvignon-Schule.

Ja, dieser Ulmen ist perfekt, um den Rebsortenweltstar Cabernet Sauvignon kennenzulernen. Das bedeutet generell rassige Säure, festes Tannin und teils fruchtige, teils gemüsige Aromen, wie die sortentypische grüne Paprika. Die schwarze Johannisbeere (Cassis) dominiert. Oft kommen Pflaume, Brombeere und schwarze Kirsche dazu. Typischerweise flankiert von Graphit (Bleistift) Eukalyptus, frischem Tabak und Schokolade.

Cabernet Sauvignon braucht viel Wärme (weswegen er in Deutschland selten ist) und reichlich Wasser. Aber durchlässige Böden, in denen es rasch wieder absickern kann. Denn zu viel gestaute Feuchtigkeit macht ihn schlapp. Übrigens: wir tranken den Ulmen-Jahrgang 2013.

Was hierzu Essen? Wir sagen: Roastbeef oder eine würzige gefüllte Paprika.